Samstag, 17. Juli 2010

Norwegen 2005 - Zu Land und Wasser - 30. Teil 2 – Straße der Stabkirchen

Straße der Stabkirchen

Von Langedrag ging es weiter nach Rødberg und von dort wieder ein Stück Richtung Geilo. In Uvdal steht eine kleine Stabkirche, die ich mir ansehen wollte. Gleichzeitig ist hier ein alter Berghof auf dem Gelände zu finden.
Wenn man diese Kirche zum ersten Mal betritt kann der Eindruck entstehen in das Atelier eines Malers geraten zu sein. Die Wände, Decken und Masten sind über und über mit Blumen und Ranken bemalt. Auch Bibelsprüche in Kaligraphieschrift sind an den Wänden zu finden. Die Kirche als Ort der Lebensfreude, so würde ich das bunte aber ansprechende Werk nennen.

Lagerhaus im Freilichtmuseum Uvdal

Das Altarbild zeigt Jesus mit den zwölf Jüngern beim Abendmahl. Die Galerie über dem Altar zeigt eine Szene aus dem Paradies „Verführung durch die Schlange“. Hatte ich in anderen Kirchen bereits erfahren, dass die Bewohner des Ortes alle ihren festen Platz hatten, so war das hier sogar zu sehen. An den Seitenwangen der Bänke waren die Familiennamen angebracht. Das war für den Pfarrer natürlich sehr hilfreich, konnte er doch gleich sehen welches seiner Schäfchen fehlte.


Stabkirche Uvdal

Leider war das Fotografieren im Innern nicht erlaubt. Dadurch soll verhindert werden, dass durch das Blitzlicht die wertvollen und wirklich gut erhaltenen Malereien Schaden nehmen. Allerdings wollte man mich auch ohne Blitzlicht nicht filmen lassen, schade.

Inventar eines Lagerhauses

Auf den Weg zurück nach Rødberg wurde es Zeit für eine Stärkung. Die Trollstua, ein großes robust gebautes Holzhaus, sah nicht nur einladend aus, sie ist an dieser Stelle unbedingt zu empfehlen. Das Essen ist ausgezeichnet und die Preise sind angemessen. Die Bedienung war sehr freundlich und der Kaffee, wie so oft, kostenlos nach dem Essen.

Blick in eine Werkstatt

Rødberg ist bekannt durch die Wasserkraft. Das große Kraftwerk deren meterdicke Rohrleitungen den Berg hinaufführen dominiert den Ort. Weiter habe ich mich nicht damit befasst, weitere Ziele lagen noch vor mir.
Straße der Stabkirchen, so könnte man die RV 40 zwischen Geilo und Kongsberg auch nennen. Und die nächste folgte schon bald in Nøre. Diese, wie auch jene in Roddal besuchte ich nicht. Die dritte, in Flesberg hielt ich zumindest im Bild und Erinnerung fest. So gibt es noch genügend Gründe ein viertes und ein fünftes Mal nach Norwegen zu reisen.


Wasserkraftwerk in Rødberg

Die Landschaft erinnert ein wenig an den Spessart oder den Steigerwald. Saftig grüne Wiesen, Berge mit dunklen Tannen, weidende Kühe oder Schafe, auch schon mal eine Pferdekoppel und natürlich die vielen Berghöfe. Manche davon sind als Museen ausgezeichnet, weil dort noch gut erhaltene, Jahrhunderte alte Gebäude zu finden sind. Dazu gehört natürlich auch der Geruch von Dung, der ab und an durch das offene Fenster ins Wageninnere gelangte.

Stabkirche in Flesberg

Auch Kongsberg diente nur als Durchfahrstation, einen Abstecher zur Silbermine (E 134 Richtung Notodden) machte ich dennoch. Die Mineraliensammlung und die Darstellung der Arbeit in einer Mine vor rund 250 Jahren auf Schautafeln von konnten in einem Gebäude kostenlos besichtigt werden. Die eigentliche Attraktion ist die Grubenbahn, mit der man von einem kleinen Grubenbahnhof vor dem Stollen ins Innere des Bergwerks fahren kann. Allerdings sollte man rechtzeitig da sein. Die letzte Fahrt findet um 15:00 Uhr statt. Und dann sollte man auch bereit sein rund 17 Euro dafür zu zahlen. Ich brauchte diese Entscheidung nicht mehr zu treffen. Inzwischen ging es auf fünf Uhr zu und mein Tagesablauf war noch nicht beendet.

Silbermine in Kongsberg

Etwas außerhalb von Notodden ist die größte Stabkirche Norwegens zu finden, jene zu Heddal. Obwohl schon beinahe 18:00 Uhr war Eile nicht erforderlich. Hier gab es andere Öffnungszeiten, die wieder einmal den Geschäftssinn der Norweger hervorhoben. Zudem gehört sie wohl zu den am besten erhaltenen Stabkirchen überhaupt. Und damit das auch so bleibt wurde am Dach etwas ausgebessert.

Bahnhof der Silbermine

Ich erwähnte das ein oder andere Mal bereits, dass diese Kirchen auf ganz unterschiedliche Weise faszinieren. Das ist hier nicht anders, wobei in diesem Fall auch die Entstehungsgeschichte dazu beiträgt.

Stabkirche Heddal bei Notodden

So gibt es eine Sage über einen Troll namens Finn, der dieses Bauwerk in nur drei Tagen erschaffen haben soll. Natürlich tat er dies nicht aus reiner Freundschaft zu den Menschen. Er hielt sich für besonders schlau und hinterlistig. Sollten die Christen innerhalb der Bauzeit seinen Namen nicht herausbekommen, so sollte er dafür Sonne, Mond, und das Herzblut eines Christen bekommen. Doch so hinterlistig Trolle auch waren, so ungeschickt und dumm waren sie auch.
Der Bauer Raud Rygi, mit dem der Troll diesen Handel schloss, brachte den Namen rechtzeitig in Erfahrung. Des Trolls Eheweib gab ihn unwissentlich preis, als sie ihrem Kind erzählte, dass Finn ihm die Sonne und den Mond und das Herzblut zum Spielen mitbringen würde.

Das Taufbecken aus Holz

Aber wahrscheinlich war es ganz anders und die Kirche ist wie andere auch in mühsamer Arbeit aufgebaut worden. Der Kern der Kirche entstand im 13. Jahrhundert. Ihre heutige Größe erhielt sie erst nach und nach. Auffällig sind die drei kleinen Türme und die beiden Eingangsportale welche mit aufwändigen Tier- und Pflanzenornamenten versehen sind. Tatsächlich wird die "gotische Kathedrale in Holz" erst um 1315 zum ersten Mal erwähnt. Die Erbauung um 1250 beruht auf Schätzungen.

Aufwändige Malereien

Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie mehrfach umgebaut. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Decke herunter gezogen. Der Altar ist von 1667 und zeigt die Bildnisse "Das Abendmahl" und "Die Kreuzigung". Noch heute finden hier Gottesdienste, Hochzeiten oder Taufen statt. Diese Stabkirche ist einfach ein Muss und sie beeindruckt durch die wahrhafte Kunst des Holzhandwerkes. 29 dieser einmaligen Kunstwerke, Stätten der Ruhe oder des Gesprächs mit Gott oder auch den Einheimischen, sind heute noch erhalten. Eine verschwindend geringe Zahl wenn man den Schätzungen Glauben schenken darf, die davon ausgehen, dass es einmal um die 2000 Kirchen in diesem Baustil gegeben hat.


und Ornamentschnitzereien sind Bestandteil der Heddal Stabkirche

Ein langer und heißer Tag geht zu ende. Das Thermometer hat die dreißig Gradgrenze tatsächlich überschritten. Doch nun wird es langsam frisch. Die Sonne versinkt hinter einem Berg und lange Schatten bringen Kühle. Die Abende sind hier auch nach heißen Tagen anders als daheim in Deutschland. Eben kühler und vor allem angenehmer zum Schlafen.


Typisch für Stabkirchen der Drachenkopf am Dachfirst












Norwegen 2005 - Zu Land und Wasser - 30. Teil 1 – Langedrag

Langedrag

Die zweitägige Tour hatte mich einen weiteren Tag zurückgeworfen. Das hieß nichts anderes, als dass Oslo erneut auf meinen Besuch warten musste. „Unnskyldning Oslo.“ Mein Restprogramm war noch prall gefüllt. Und da ich für Oslo nun mal zwei bis drei Tage geplant hatte, war die Zeit einfach nicht mehr gegeben.

Die Kirche bei Skardvåg

Der Tag fing gar nicht gut an. Dabei lag es weder am Wetter noch am Campingplatz, der war ordentlich und sauber. Gut, es gab keine Kochstelle und ich musste auf meinen Kaffee verzichten, aber das war auch zu verschmerzen. Nein, diesmal ging es um meinen fahrbaren Untersatz. Ich war noch keine zwei Kilometer gefahren da kam mir ein großer Kieslaster entgegen gedonnert. Ich dachte gerade noch, dass der verdammt schnell war, so kurz vor einer neunzig Grad Kurve und das bei gut fünf Prozent Gefälle, da gab es auch schon einen lauten Knall. Im gleichen Augenblick konnte ich zusehen wie sich ein breiter Riss quer über die Frontscheibe fortpflanzte. Volltreffer! Ein dicker Kieselstein hatte die Scheibe auf der Fahrerseite getroffen.


Der Glockenturm

Trotzdem entging mir die Kirche in Skardalen nicht. Auffällig an ihr war die Architektur. Hier wurde Moderne und Altertum geschickt zusammen gebracht, was durch den allein stehenden Glockenturm unterstrichen wird.

Der Eingangsbereich

Wenig später erreichte ich mein erstes Ziel, den Tierpark Langedrag. Von der RV 40 in Skogli links abfahren, bis Tunhovd. Ab hier ist der weitere Weg beschildert. Das letzte Stück bis zum Parkplatz führt über eine unbefestigte Schotterpiste die mich wieder daran erinnerte meine Versicherung anzurufen. Ich war mir nicht sicher ob die Scheibe bis zu meiner Rückkehr nach Deutschland noch halten würde. Während der vierzig Kilometer langen Fahrt hatte der Riss die Beifahrerseite erreicht. Erfreulich auch, dass die Versicherung gegebenenfalls auch die deutlichen Mehrkosten, die in Norwegen anfallen, übernimmt. Nachdem das geklärt war, konnte ich mich voll und ganz auf meinen Besuch konzentrieren.

Aussicht vom Langedrag Wildpark

Der Tierpark unterscheidet sich nicht im wesentlichen von den mir in Norwegen bekannten Anlagen. Die Gehege sind allesamt sehr großzügig bemessen, wie ich es schon im Polarzoo oder in Dyrepark bei Kristiansand gesehen hatte.

Das Ziegenhaus

Der Unterschied besteht darin, dass hier nur einheimische und keine exotischen Tiere gehalten werden. So sind hier Luchs, Wolf, Schneefuchs und Ren zu finden. Ziegen, Kühe und Hasen laufen gar frei herum, was bei den Kindern immer gut ankommt. Sogar das schottische Hochlandrind lag friedlich vor dem Gebäude. Keine Kette oder Zaun hinderte das Tier daran sich umzusehen, doch dafür war es viel zu bequem.

Das Ur. Kette oder Zaun sucht man hier vergebens

Eines der Wolfsgehege war ebenfalls leer. Ob sie ebenfalls Freigang hatten war nicht in Erfahrung zu bringen.
Anders als im Polarzoo meinten es die Luchse wirklich gut mit mir. Friedlich in der Sonne dösend lagen sie fotogen gleich hinter dem Zaun. So ein Maschendrahtzaun ist schon störend beim Fotografieren, aber wie es ohne aussieht habe ich ja erst gestern erleben dürfen.



Luchs hinter Gittern, der lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen

Aufgrund der Größe der Gehege sind zwanzig bis dreißig Minuten für eine Umrundung mit Suchen schon nötig. Und unter Umständen versteckt sich Wolf und Co. im Innern des Geheges und du bekommt sie gar nicht zu sehen. In den norwegischen Parks ist auf jeden Fall Ausdauer gefordert, aber gerade das macht den Reiz aus.



Der Wolf bleibt nicht so cool und sucht sich ein ruhigeres Fleckchen

Natürlich müssen solche Parks auch etwas Besonderes bieten, sonst lässt sich so eine Anlage kaum halten. In Langedrag wird gleich ein ganzes Tagesprogramm geboten. Das fängt mit Parcoursreiten oder voltigieren für Kinder an. Geht mit der Fütterung der Rentiere weiter und endet nicht mit dem Melken der Kühe oder Ziegen. Sogar die Schneefüchse dürfen von den Kindern im Gehege besucht werden, natürlich in fachkundiger Begleitung.





Die Schneefüchse in Langedrag sind handzahm und faul

Für die Erwachsenen gibt es fachkundige Beiträge über die Arbeit mit den Wölfen und Luchsen und noch einiges mehr. Ein lohnendes Ziel, ein Paradies für die Kinder und ein teures Vergnügen für die Eltern. Wobei die Preise nicht über dem norwegischen Niveau liegen.
Mehr als drei Stunden waren im Nu vergangen. Für mich wurde es Zeit weiter zu ziehen.